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Gentest am Straßenrand wird Routine

Interessantes aus dem Kreis Ludwigsburg wird berichtet:

Neben der Überprüfung von Führerschein und Kfz-Papieren gehört auch die Abnahme des genetischen Fingerabdrucks bei Fahrzeugkontrollen im Landkreis mittlerweile zur Routine. Dies ergaben Recherchen unserer Zeitung. Die Polizei begründet ihre seit etwa acht Monaten verstärkten Versuche, Autofahrer zur freiwilligen Abgabe von Speichelproben zu bewegen, mit der Fahndung nach der Phantommörderin von Heilbronn.

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Die kleine Welt kommt näher

Wenn man diesen Artikel bei Heise liest, sollten kleine Alarmglocken angehen:

Von dieser Idee (Kleine-Welt-Phänomen) ließ sich nun Marian Boguna von der Universität Barcelona inspirieren. Er konnte erstmals zeigen, dass sich dieser Ansatz auch auf Internet-ähnliche Netzwerke anwenden lässt. In einem Aufsatz, der in der Fachzeitschrift „Nature Physics“ veröffentlicht wurde, demonstrierte er zusammen mit seinem Team, dass sich aus der Theorie ein Protokoll erstellen lässt, das Router die verlässliche Weiterleitung von Informationen ermöglicht, ohne zu viele Daten über das Gesamtnetzwerk zu besitzen. Dabei orientiert sich der Router unter anderem am physischen Ort sowie jenen Daten, die zuletzt erfolgreich übertragen wurden. Das Ergebnis: Die Routing-Tabelle konnte signifikant verkleinert werden. Boguna will seine Technik bald in einer echten Internet-Simulation testen.

Ich rate nochmals dazu, den Artikel bei Wikipedia zum Thema zu lesen. Und auch die Kritik nicht nur überfliegen 😉

Das Phänomen mag ich und habe damit an sich kein Problem, das ist hier nicht das Thema. Ich sehe vielmehr an einer anderen Stelle eine Gefahr: Es ist, gerade in einer zunehmend vernetzten Welt die von einfacher und kostengünstiger Kommunikation geprägt ist, zu erwarten, dass das „Kleine-Welt-Phänomen“ zunehmend Realität wird – die Ansätze der Kritik werden ja heute gerade ausgehebelt durch die Telekommunikation. Der Artikel bei Heise, die Idee das Internet-Routing durch dieses Erscheinungsbild zu optimieren, spricht ja ebenfalls für eine gewisse zunehmende Praxisnähe.

Unser sicherheitspolitisches Denken aber ist immer noch im letzten Jahrhundert verwurzelt und setzt vor allem an einem Punkt an: Den Kontakten. Wer Kontakte zu einem „Verdächtigen“ hat, läuft Gefahr sehr schnell selbst zum „Verdächtigen“ zu werden. Noch vor 100 Jahren war dieses Denken auch so falsch nicht – heute ist es zunehmend fatal. Mein Standardbeispiel ist eBay: Weiss man heute noch, welchem Verkäufer man dort noch vor Wochen mal eine Frage gestellt hat (und somit in seinen Mails vielleicht auftaucht)?

Eine grosse Gefahr lauert an diesem Punkt: Je stärker das „Kleine-Welt-Phänomen“ von der Theorie zur Praxis mutiert, umso stärker muss der Kontakt als Moment zur Verdachtsgewinnung schwinden. Einen Schritt weiter muss man auch Fragen, ob aufgrund der hohen Abstraktheit unserer Daten (Stichwort: identitätsdiebstahl) reine Datenspuren heutzutage überhaupt noch grundsätzlich zur Verdachtsgewinnung geeignet sind. In Zeiten, in denen wir Fingerabdrücke nachahmen können, sind selbst diese Spuren zunehmend kritisch zu betrachten.

Das nur als Gedankenanstoß vor den Feiertagen.

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Bürger dürfen selbst über Fingerabdrücke im Ausweis entscheiden

Spiegel-Online berichtet gerade:

Der Streit über Fingerabdrücke in Personalausweisen ist offenbar beigelegt. Wie die „Neue Osnabrücker Zeitung“ unter Berufung auf Innenpolitiker der Großen Koalition berichtet, sollen die Abdrücke nur auf Wunsch gespeichert werden. Auf dieses Optionsmodell hätten sich Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) geeinigt.

Auch ich habe das Options-Modell bevorzugt, da es jedem selbst überlassen sein sollte, ob und welche biometrischen Daten er in seinen Ausweis aufnehmen möchte. Dabei bleiben aber zwei Kritik-Punkte:

  1. Jeder Bürger sollte informiert werden, was mit angegeben Daten auch geschieht – eine vernünftige Belehrung mit Bedenkzeit sollte daher Pflicht sein beim neuen Personalausweis,
  2. ist daran zu arbeiten, dass keine faktische Pflicht eingeführt wird – etwa über die Wirtschaft, wenn die plötzlich Kartenzahlung nur noch zulässt, wenn man einen Personalausweis mit Fingerabdrücken dabei hat.

Gerade Punkt 2 ist eine große Gefahr in der heutigen Zeit.

Hinweis: Zu dem Thema auch den Artikel zur Einführung der neuen Personalausweise beachten.

Update via Golem: Es soll feststehen, dass ein digitales Gesichtsbild enthalten ist, dass evt. sogar via RFID ausgelesen werden kann. Die richtige Einschätzung von Peter Schaar dazu, der zudem treffend festhält dass dieses Verfahren keinen Sicherheitsgewinn darstellt:

Ein digitales Gesichtsbild sei auch automatisiert auswertbar, und könne, wenn die Bilder in Datenbanken zusammengeführt werden, mit Videoüberwachungsanlagen gekoppelt werden, um gezielt Personen zu erkennen, so Schaar vor einiger Zeit über den Überwachungsplan.

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News zum Datenschutz (6/2008)

Gesammelte News zum Datenschutz – u.a. mit der Telekom, die schön zeigt wozu man Daten wie sie im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung gespeichert werden nutzen kann.

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Abhören in Deutschland (aka Abhör-Kompetenzzentrum)

In den letzten Tagen gab es vermehrt Berichte über ein geplantes „Abhör-Zentrum“, selbst Blätter wie der „Express“ titelten das Thema. Nach der ersten Aufregung (die schnell wieder verpuffte) habe ich die verschiedenen Meldungen gesammelt und zusammengestellt damit es einen Überblick gibt.

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EU-Datenschützer tadelt Schäubles Polizei-Superdatenbank

Der europäische Datenschutzbeauftragte Peter Hustinx hat das Vorantreiben der EU-weiten Ausdehnung des Prümer Vertrags zur Vernetzung von Polizeidaten durch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble scharf kritisiert. Der CDU-Politiker habe die Dynamik der deutschen Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2007 genutzt, um „etwas durchzusetzen, was in dieser Form nicht hätte beschlossen werden sollen“, rügte der Hüter der Privatsphäre der Europäer. Schäuble hatte Anfang vergangenen Jahres die Überführung des maßgeblich von Deutschland ausgearbeiteten Vertrags von Prüm in den Rechtsrahmen der Gemeinschaft forciert. In dessen Rahmen sollen Ermittler in den angeschlossenen Ländern DNA-, Fingerabdruck- und Fahrzeugregisterdaten elektronisch einfacher austauschen und die entsprechenden Datenbanken vernetzen können. (Quelle: Heise)

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Berliner Banken schludern beim Datenschutz

Der Landesdatenschutzbeauftragte Alexander Dix hat im vergangenen Jahr wieder zahlreiche Verstöße gegen Regelungen des Datenschutzes registriert. Bei einer routinemäßigen Überprüfung von vier Banken habe er eine Reihe von „überraschenden datenschutzrechtlichen Mängeln“ festgestellt, sagte Dix bei der Vorstellung seines Jahresberichts 2007. Auch bei Behörden registrierte er Defizite bei der Einhaltung des Datenschutzes und der Informationsfreiheit. Generell warnte Dix vor einer „überhandnehmenden Überwachung“.

Bei den Banken sei der Datenschutz „stark verbesserungswürdig“, betonte Dix. So habe keine der überprüften Banken ihre Kunden informiert, dass Kontobewegungen auf Geldwäsche überprüft werden. Auch kämen die Kreditinstitute nicht ihrer gesetzlichen Verpflichtung nach, darüber aufzuklären, dass bei Auslandsüberweisungen die Daten über die Software Swift an US-amerikanische Behörden übermittelt würden. […] Starke Vorbehalte äußerte Dix gegenüber der Vorratsdatenspeicherung, der Erfassung von Fluggastdaten und der Ausweitung der Befugnisse des Bundeskriminalamts. Größere Datenbanken und -mengen führten nicht automatisch zu mehr Sicherheit. Die Masse an Informationen mache es eher wahrscheinlich, dass reale Verdachtsmomente etwa im Kampf gegen den Terrorismus nicht entdeckt würden.

Quelle: Tagesspiegel. Der Bericht steht auf der Web-Präsenz des DSB zum Download.
Dazu auch die sehr ausführliche Pressemitteilung des Datenschutzbeauftragten:

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