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Offener Brief an Prof. Münkler (Update)

Wegen seines für mich befremdlichen Artikels (zu finden hier) habe ich Prof. Münkler einen Brief geschrieben. Text wie folgt, ich berichte von der Reaktion.

Update: Es gibt nun eine Ergänzung von Prof. Münkler in der FR, dabei rudert er zurück – und entlarvt sich selbst:

Einige haben sich beklagt, ich hätte sie als kriminelle Geschäftemacher oder als Anarchisten bzw. Kommunisten bezeichnet. Keineswegs. Man muss richtig lesen: Was ich aufgeführt habe, sind die Extreme derer, die sich unter der Fahne der Netzfreiheit versammelt haben; mitnichten sind damit alle gemeint.

Falsch Herr Münkler: Wie ich Ihnen ja schon geschrieben habe (siehe unten), war ihr erster Satz absolut formuliert – er war keinesfalls die Darstellung von Extremen und nun, da sich viele beschweren suchen Sie einen Ausweg. Ich kann Ihnen einen bieten: Entschuldigen Sie sich. Alles andere wird nicht funktionieren da Sie nun selber festgestellt haben, dass eine absolute Aussage falsch wäre – die aber haben Sie nunmal getroffen.

Sehr geehrter Herr Prof. Münkler,

mit Interesse habe ich Ihre Kolumne in der FR zu den so genannten „Netzsperren“ gelesen. Dass ich inhaltlich nicht mit Ihnen übereinstimme wird Sie sicherlich nicht überraschen, ist aber nicht Grund meines Schreibens.

Vielmehr nehme ich an diesem Absatz Anstoß:

Es ist eine eigentümliche Schar, die sich unter dem Banner der Netzfreiheit versammelt hat. Einerseits kriminelle Geschäftemacher, die das Internet benutzen, um verbotene Produkte an den Mann zu bringen, und andererseits ein Ensemble von Freiheitskämpfern, die ihre anarchistischen (kein Staat!) oder kommunistischen Ideen (kein Eigentum) in der virtuellen Welt des Internets realisieren wollen.“

Sehen Sie das wirklich so? Ich bin Demokrat und glaube an die Werte unseres Grundgesetzes, wozu der Art.14 GG ebenso gehört wie die rechtliche Bindung von Gesetzgebung und Exekutive. In meinem Denken setze ich also ebenso den existierenden Staat notwendig zur Verwirklichung meiner Ideale voraus, wie ich froh bin, mich in mein Haus – mein gesichertes Eigentum – zurück ziehen zu können.

Insofern bin ich geradezu schockiert, dass Sie mir in meinem Bestreben nach Demokratie und Transparenz unterstellen, ich wäre dominiert von anarchistischen oder kommunistischen Ideen. Da Sie ihren Satz abschliessend und absolut formuliert haben, subsumieren Sie mich ja nun einmal unter eine dieser drei Begrifflichkeiten („Geschäftemacher“, „Anarchist“, „Kommunist“) – dies ohne mich oder auch nur die Gesamtheit der Demonstraten kennen zu können.

Es ist eines der wichtigen Rechte unserer Demokratie, sich Meinungen zu bilden und zu äussern. Ich sehe mich in Ihrer Äußerung aber diffamiert, denn ich sehe mich in meiner Arbeit als „Anarchist“ oder „Kommunist“, also als Anti-Demokraten, in den Schmutz gezogen.

Inhaltlich würde ich mich gerne mit Ihnen auseinandersetzen, etwa zur Frage, ob für mich wirklich eine ontische Differenz zwischen virtueller und realer Welt besteht – oder ob dies nur ein Eindruck ist, der sich ihnen von außen aufdrängt – denn wie sie gesehen haben, urteilen sie ja auch sonst pauschal über mich, ohne zu wissen, was ich wirklich denke.

Ich habe mir aber angewöhnt, nur mit jemandem zu diskutieren, der mich ernst nimmt und respektvoll behandelt. Ihre pauschale Verurteilung ist nicht nur fehlerhaft, sie ist für Demokraten wie mich geradezu beleidigend. Daher bitte ich sie, ihre Äusserung zu überdenken und sich evt. zu entschuldigen – danach würde einer Diskussion, die für beide Seiten bereichernd sein könnte, nichts mehr im Wege stehen.

mit freundlichen Grüßen
Jens Ferner

4 Gedanken zu „Offener Brief an Prof. Münkler (Update)“

  1. Könnten man (zumindest Personen die in dieser Zensursula-Debatte mit ihrem Namen weit vorne stehen) diesen Herrn nicht irgendwie rechtlich belangen?

  2. Gemach, wer wird denn gleich mit den Gerichten kommen?
    Eine Replik von Münkler auf die Kritik an seiner Kolumne findet sich unter http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/doku_und_debatte/1803746_Internetsperren-Hier-ist-Ideologie-im-Spiel.html . Dort behauptet er, den Satz müsse man anders verstehen, er habe nur die Extreme aufzeigen wollen. Ich hab’s versucht, auch nach mehrmaligem Lesen wollte es mir nicht gelingen.
    Zu seinem Vorwurf von Anarchie und Kommunismus gesellt er jetzt allerdings auch den der ‚Ideologie‘. Er schreibt: „Es erstaunt, dass das, was sonst selbstverständlich ist, nicht gelten soll, wenn es um das Internet geht. Die naheliegende Erklärung solcher Begriffsstutzigkeit lautet: Hier ist Ideologie im Spiel.“
    Ich bin da durchaus geneigt ihm zuzustimmen.

  3. Wow… Wie wird eigentlich so jemand Professor?
    Also ich muss ehrlich sagen, das ist ja enttäuschend.

    Viele bunte Worte gebrauchen, die niemand kennt, um du verschleiern, wie wenig er weiß.
    Und dass ist offenbar erschreckend wenig.

    Und das gerade solche Menschen sich als die wahren Verteidiger der Demokratie verstehen, ist eigentlich Realsatire.

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