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Mit den Worten von Wallraff

Ich habe in einem Artikel folgenden Satz geschrieben:

Abschließend möchte ich eines klar stellen: Ich unterstelle niemanden, auch nicht dem Bundesinnenminister, dass er einen Überwachungsstaat oder die Bürger unterdrücken will.

Da der Artikel gerne gelesen wird, bekomme ich speziell zu diesem Satz häufig kritischen Gegenwind – in der Art, wie es RA Melchior dort in seinem Kommentar sagte:

Wenn der OSM wirklich keinen Überwachungsstaat will – in den er die BRD mit aller Macht zu steuern versucht – was denn sonst ??

Nun, bis heute habe ich auf solche Fragen nicht geantwortet, denn ich denke, meine Position habe ich deutlich genug gemacht. Heute aber lese ich etwas von Günter Wallraff in einem SZ-Interview, das als ergänzende Antwort ganz gut herhalten und meine Position verdeutlichen kann:

Innenminister Wolfgang Schäuble ist nicht korrupt, sondern meint, aus inbrünstiger Überzeugung, dem Staatswesen zu dienen – aber während der Inquisition war der Klerus genauso überzeugt, er würde dem göttlichen Recht zum Durchbruch verhelfen.

Vielleicht ist es jetzt etwas klarer – vor allem auch, warum ich immer wieder betone, dass nur weil der Minister aus Überzeugung handelt und ich ihm gerade nicht unterstelle einen Überwachungsstaat errichten zu wollen, dies sein Verhalten noch lange nicht besser, sondern sogar schlimmer, macht.

3 Gedanken zu „Mit den Worten von Wallraff“

  1. Schlimm wäre es in der Tat, diesen Staat mit aller Gewalt in einen Schnüffelstaat zu steuern, dieses völlig offensichtliche Ergebnis aber aus sektiererischer Verblendung nicht zu erkennen – wenn es denn so wäre.?!

  2. „nicht zu erkennen“

    Nicht nur nicht zu erkennen, sondern darüber hinaus noch zu glauben, dass man Freiheit und Bürgerrechte noch stärkt. Das ist der Punkt.

  3. Ein korrupter Politiker weiß wenigstens um sein rechtswidriges Handeln, ein Fanatiker hingegen sieht sich kraft seiner Obsession legitimiert.
    Wallraff hat damit ja letztlich auch nichts neues gesagt, sondern lediglich eine vielverbreitete Meinung sprachlich schöner ausgedrückt.

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