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Lidl ließ Mitarbeiter bespitzeln (Update)

Stasi-Methoden bei Lidl: Monatelang haben Detektive im Auftrag des Discounterriesen in Filialen Mitarbeiter ausspioniert und intimste Details aus deren Privatleben protokolliert. Der stern und stern.de deckten nun diesen Überwachungsskandal auf. Verdi und der Bundesdatenschutzbeauftragte üben heftige Kritik an Lidl.

Der Lebensmitteldiscounter Lidl ließ voriges Jahr systematisch die Beschäftigten in zahlreichen Filialen überwachen. Dem stern und stern.de liegen mehrere Hundert Seiten interner Lidl-Protokolle vor, in denen jeweils mit Tag und Uhrzeit notiert, wann und wie häufig Mitarbeiter auf die Toilette gehen, wer mit wem möglicherweise ein Liebesverhältnis hat, wer nach Ansicht der Überwacher unfähig ist oder einfach nur „introvertiert und naiv wirkt.“ Die meisten dieser Einsatzberichte stammen aus Lidl-Filialen in Niedersachsen, dazu kommen einzelne Abhörberichte aus Rheinland-Pfalz, Berlin und Schleswig-Holstein. (Quelle: Stern)

Der Spiegel bietet dazu erschreckende Einblicke, die hoffentlich jedem Leser klar machen, worum es hier geht – und warum so mancher Datenschützer beim Thema „Kameraüberwachung“ zur Vorsicht mahnt:

So banal sich die Aufzeichnungen der Privatdetektive lesen, so tief greifen sie in die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter ein. So heißt es etwa: „Mittwoch, 14.05 Uhr: Frau M. möchte in ihrer Pause ein Telefonat mit ihrem Handy führen, es erfolgt die automatische Ansage, dass das Guthaben auf ihrem Prepaid-Handy nur noch 85 Cent beträgt. Schließlich erreicht sie telefonisch eine Freundin, mit welcher sie heute Abend gerne gemeinsam kochen würde, dieses setzt aber voraus, so Frau M., dass ihr Gehalt bereits gutgeschrieben wurde, da sie ansonsten kein Geld mehr hätte, um einzukaufen.“

Bei einer anderen Kollegin vermerkt der Kontrolleur: „Mittwoch, 16.45 Uhr: Obwohl Frau N. bis jetzt im Bereich Non-Food/Aktionsware immer noch nicht allzu viel geschafft hat, macht sie pünktlich ihre Pause. Sie sitzt zusammen mit Frau L. im Pausenraum; die Kräfte unterhalten sich über Gehälter, Zuschläge und bezahlte Überstunden. Frau N. hofft ebenfalls, dass ihr Gehalt bereits heute gutgeschrieben wurde, da sie für heute Abend dringend Geld benötigt (Grund = ?)“.

In vielen anderen Protokollen finden sich Anmerkungen über die private Lebenssituation („Von einer Privatinsolvenz und der damit verbundenen ‚Enthaltsamkeit‘ keine Spur“), das Äußere der Mitarbeiter („Frau M. ist an beiden Unterarmen tätowiert“) und ihr Privatleben („Ihr Freundeskreis besteht größtenteils aus Drogenabhängigen“). Die Überwachungsprotokolle seien „in höchstem Maß skandalös“, weil es nicht um Arbeits-, sondern um Verhaltenskontrolle geht, zitiert der „Stern“ den Hamburger Arbeitsrechtler Klaus Müller-Knapp. „Das stellt einen klaren Verstoß gegen Artikel 2 Grundgesetz dar, der die freie Entfaltung der Persönlichkeit schützt.“

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