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Kunst, Diskussionen und besorgte Menschen

Was Heise heute berichtet war vorhersehbar, wenn auch zumindest von mir nicht so früh erwartet:

In der andauernden Debatte um die Sperrung von kinderpornografischen Inhalten gibt es nun ein prominentes Opfer. Offenbar haben mindestens sechs große Provider in Großbritannien die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia auf eine Filter-Liste gesetzt. Laut ersten Meldungen ist ein Artikel über das 1976 erschienene Album Virgin Killer der Rockband „The Scorpions“ Ziel der Filter-Aktion. In dem Wikipedia-Artikel ist das umstrittene Cover des Albums abgebildet, das ein nacktes, ungefähr 12 Jahre altes Mädchen zeigt.

Und? Als Jurist ist es keine Frage: Handelt es sich hier (bei dem Cover) um Kunst? Als Laie stellt sich zumindest auch im Heise Forum die Frage: Da gibt s doch kein sexuelles Posing? Oder etwa doch?

Bei der aktuellen Diskussion rund um die Netzsperren, die auch von juristischen Schwergewichten aufgegriffen wird, zeigt sich un, warum ich noch vor kurzem geschrieben habe:

An dem Punkt muss ich eines klar sagen und das werden wieder einige in den falschen Hals bekommen: Das “Argument”, dass man Seiten ja gar nicht wirksam sperren kann (also die technische Seite) sehe ich zwar ebenso, aber es ist in dieser Diskussion kein echtes Argument – was ist denn wenn doch?

Das nun vorliegende Beispiel aus England zeigt das Problem dahinter: Wir wollen gar nicht, dass Begriffe wie „Kunst“ verbindlich vom gemeinen Volk ausgelegt werden. Oder von der Exekutive. Irgendeiner stört sich immer an etwas und wenn genügend Finger auf einen zeigen und man „in Verdacht“ gerät, hört man schnell auf, so was unbedeutendes wie ein Album-Cover aus den 70ern des vergangenen Jahrhunderts zu verteidigen. Ich sehe schon die ersten, die bald sagen/schreiben werden:

Ja meine Güte, dann nehmt es doch raus.

Ganz genau. Was hat so ein Schund auch im Internet verloren. Nicht wahr?

Hinweise zum Nachdenken: Dann könnten wir, wenn wir schonmal dabei sind, direkt nochmal Hand anlegen, etwa hier in der Wikipedia (das dargestellte Mdächen ist immerhin 14 auf dem Gemälde) – bevor noch einer meint, das sind ja nur einzelne Grenzfälle. Interessant wird es natürlich, wenn man mit ein wenig Phantasie dabei noch an die Thematik der Jugendpornographie denkt.

2 Gedanken zu „Kunst, Diskussionen und besorgte Menschen“

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