„Daten und Information“ – Zuschriften

Einige kritische (anonymisierte) Zuschriften, die uns zu dem Video erreichten:

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Schöner Beitrag, zu einem wichtigen Thema, lieber Herr Kraska. Und schön auf diesem Weg wieder etwas von Ihnen zu hören.

Allerdings erlaube ich mir hier Kritik: Es hätte unbedingt eine Auseinandersetzung mit den durchwegs dreistufigen Unterscheidungen der juristischen Lehre gebraucht, z.B. Prof. Lawrence Lessig (Content Layer, Code Layer, Physical Layer) oder Prof. Herbert Zech (semantische Information, syntaktische Information oder strukturelle Information). Inhaltlich halte ich den gestalterisch wirklich schön gemachten Videobeitrag deswegen nicht für überzeugend.

Man muss sich fragen, was denn eine Definition bezwecken soll. Begriffe (Definitionen grenzen Begriffe ab) sind die Bausteine des Rechts. Für eine Juristische Diskussion sind Definitionen wichtig.

Im vorliegenden Zusammenhang geht es z.B. um Folgendes:

  • Auf welcher „Ebene“ wirken sich z.B. Pseudonymisierung oder Anonymisierung aus? Antwort: Auf der Ebene Content Layer = Semantische Information = „Bedeutungsgehalt“
  • Wo knüpft Verschlüsselung an? Antwort: Code Layer = Syntaktische Information = „Daten“
  • was braucht es, damit Information urheberrechtlich geschützt werden kann? Antwort: irgendein „add-on“ auf dem Physical Layer (erst die schöpferische Gestaltung macht aus dem Steinblock eine Statue)
  • Wie kann jemand Kontrolle über Informationen ausüben? Mit welchen Rechtsfolgen?
  • Und warum ist das alles für eine freie Gesellschaft von grosser Bedeutung?

Ich würde mich freuen, wenn Sie die Diskussion zu diesen Anschlussfragen weiterführen. Gerne wieder in Form dieser schönen Videobeiträge, vielleicht? Wenn Sie darin bereit wären, auch Ihren Gesprächsvorschlag kritisch zu hinterfragen, würde ich mich sehr freuen!

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Vielen Dank für Ihre Grüße und die Animation. Die dort aufgegriffene Frage nach der Abgrenzung von Daten und Informationen ist so alt wie die Informationstechnik.

Leider bricht das Video ab, wo es wirklich interessant wird: Bei der gesetzlichen Normierung. Spannend wäre auch die Einordnung algorithmischen Wertungen (etwa veranschaulicht durch Scores), die Einordnung selbstlernender Algorithmen und schließlich die Abgrenzung von Tatsachenbehauptungen und Meinungsäußerungen …

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Ich habe mir das Video mal angeschaut und habe dazu die folgenden Anmerkungen.
Vorweg: Ich bin kein Informatik-Wissenschaftler, sondern argumentiere in diesem Thema auf Basis mir bekannter Literatur – inkl. Wikipedia.

‚Kann niemand sagen, was Daten sind und was Information ist‘: Es gibt wohl Literatur dazu, nur ist die nicht immer einheitlich und nicht verbindlich.

Gefühl vs Wissenschaft: Im Beitrag scheint die Wertung das Erste zu sein, die Wissenschaft dient nur zum Beweis. Ist es nicht umgekehrt? Sollte nicht Wissenschaft als ‚Realität‘ bezeichnet werden, die erstgenannt wird und dann erst bewertet/interpretiert wird. Daten hängen m.E. eng mit Deinem erläuterten Begriff ‚Aufzeichnung‘ zusammen; erst hier sind es Daten (‚über …‘). Also 3 Ebenen.

Dass Daten immer nur digital ‚verarbeitet‘ (interpretiert etc) werden, stimmt nicht. Auch Fels-Hieroglyphen sind Daten, auch eine analoge Kurve oder ein Thermometer. Sie alle sind in einem Code i.w.S. notiert, den man zum Interpretieren kennen muss.

Die Aussagen zum Binärcode sind m.E. hier zu speziell; es ist immer irgendein Code. Auch sind es nicht immer 8 Bits, die ein Zeichen darstellen, das kommt auf den Code an. Der ganze Bit-Abschnitt ist für Dein Thema nicht relevant, weil die elektr. Verarbeitung nur eine von vielen Möglichkeiten der V. ist.

Wertung ist keine Verarbeitung: Hier dürfte die Grenze fließend sein; auch ’sehen‘ ist eine Verarbeitung. Wertung kann nur im allerweitesten Sinn so bezeichnet werden (kalt, groß, rot, 10.000 €) Aber nicht z.B. PgmCode ‚Move‘ – ist Anweisung, keine Wertung. Meinst Du etwa mit ‚Wertung‘ Interpretation/Decodierung?

‚Info‘ auf Menschen beschränkt: Ich denke, das ist deutlich zu kurz gesprungen: Auch ein Hund (= Empfänger) ‚verarbeitet‘ ‚Daten‘; z.B. einen Ruf (Sitz!), einen Knall, einen Blitz, eine (rote) Ampel (Blindenhund). Daten werden bei diesem Umsetzen zur Info. Außerdem: Wenn in eine IT-Anwendung Daten wie Kontostand und Kreditlimit eingehen, um eine evtl. Überziehung zu berechnen, dann werden diese Daten in genau diesem Kontext für den Empfänger4 (= Pgm) ‚Information‘ – auch ohne Mensch.

‚Informationsaustausch‘ über unterschiedliche Wertungen: Wie soll das gehen? Ich denke, es sind hier ebenfalls Daten (Wörter, Gesten, Zeichen …), die ausgetauscht werden.

Datenbegriff nur im … technischen Umfeld anwendbar: Das ist zu eng gesehen.

Fazit: Ich persönlich halte diese Sicht nicht für nützlich. Siehe Anmerkungen. Aber ich kann mich auch irren. Sorry.

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Vielen Dank! Ich habe mir den fertigen Film soeben angeschaut!
Es war (und ist) ein interessantes Projekt, das meinen Blick verändert hat. Ich freue mich, dass ich einen Teil dazu beitragen konnte. Und es ist schön, dass nun am Ende alle mit dem Ergebis zufrieden sind.

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Das Video ist cool und den Ansatz, wie Ihr Daten von Information trennt, finde ich bemerkenswert und muss darüber noch ein wenig nachdenken. Ich hätte – bis auf den Punkt der „Verarbeitung“ keinen wirklichen Punkt zur Differenzierung/Erklärung gefunden. Ein wirklich guter Ansatz und über die anschauliche Erklärung der Bits und Bytes habe ich mich als kompletter Technik-Doofi sehr gefreut!

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Klasse Video, sehr anschaulich!

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Gute Begriffs-Unterscheidung, sehr schöne didaktische und visuelle Aufbereitung. Danke.

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Das Video ist handwerklich gut gemacht, aber mir ist nicht klar wo das Problem liegt. “Daten” und “Informationen” werden m. E. nach Datenschutzrecht gleich behandelt. Die Begriffe werden umgangssprachlich und in vielen Gesetzen synonym gebraucht, insbesondere auch in der GDPR (Art. 4.1.). Wo siehst Du die rechtliche Relevanz in einer Unterscheidung der Begriffe “Informationen” und “Daten”?

Wenn ein Wissenschaftler nur Informationen/Daten speichert, die nicht personenbezogen sind, dann ist Datenschutzrecht nicht einschlaegig. Wenn er aber ueber Personen forscht, wird er wahrscheinlich personenbezogene Daten verarbeiten.

Wenn eine Maschine ohne direkte menschliche Ueberwachung automatisch Infomationen/Daten verarbeitet (z. B. eine Videokamera), dann gilt Datenschutzrecht eben dann, wenn Personen betroffen sind (z. B. Menschen auf dem Ueberwachungsvideo auftauchen).

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Super! Find ich prima, ist gelungen 🙂

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Ich denke, dass insbesondere Kollegen aus der technischen Ecke sich dadurch den Begriffen leichter annähern können als zuvor. Die Unterlagen zu unserem Gespräch habe ich nach wie vor. Das neue Jahr gibt zu dem Gedankenanlass: Was hat sich seither nicht alles ereignet! Und die Grundprobleme sind ungelöst geblieben.

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Ein interessanter Definitionsansatz zu „Daten und Information“, gute Visualisierung und Erläuterung

Mein Diskussionsbeitrag:
Die einschlägige Literatur zum Themenbereich „Informationsmanagement“ befasst sich mit der begrifflichen Abgrenzung von „Zeichen -> Syntax -> Daten -> Semantik -> Informationen -> Pragmatik -> Wissen“, siehe dazu [Krcmar: Informationsmanagement, 6. Auflage, S. 11 ff.].
Die Abgrenzung der Begriffe lässt sich nicht streng nach „emotionaler Wertung“ (Information) und „rationaler Naturwissenschaft“ (Daten) vornehmen.
Daten werden aus definierten Zeichen und Regeln „erzeugt“. Die Verarbeitung von Daten (DV) erfolgt nicht nur nach naturwissenschaftlichen Prinzipien. Bei der Auswahl der Zeichen und der Festlegung von Regeln ist „der Mensch“ mit seinen Einschätzungen und Bewertungen beteiligt.
Entsprechend kann die Verarbeitung von Informationen (IV) auch mithilfe analoger und/oder digitaler Maschinen erfolgen. Die Festlegung der Semantik erfolgt i.d.R. durch Menschen. Mithilfe sog. „semantischer Netze“ können Informationen durch Maschinen verarbeitet (IV) werden. Voraussetzung hierfür ist eine dazu kompatible DV.
Noch spannender wird es bei der Abgrenzung des Begriffes „Wissen“. Auch hier hat „der Mensch“ einen wesentlichen Anteil in der Festlegung des Kontextes (Pragmatik). Wissen „entsteht“ durch Einbettung von Informationen in einen festgelegten Kontext. Auch dieser Prozess kann analog und/oder digital unterstützt werden. Man spricht dann von Wissensverarbeitung (WV).

Mein Fazit:
Bei der Definition, Gestaltung und Nutzung von Zeichen/Daten/Informationen/Wissen
wirken sowohl
a) der Mensch
als auch
b) die Maschine unterstützend
bei der Verarbeitung von Daten (DV), Informationen (IV) und Wissen (WV) mit.

Meine Anregung:
Interdisziplinäe Diskussion zu den künftigen Anforderungen im
– Datenschutz
– Informationsschutz
– Wissensschutz.

Hierbei beziehe ich mich auch auf die bereits formulierten Fragen […].

Ich freue mich auf eine weitere interdisziplinäre Diskussion zum Themenbereich
„Zeichen/Daten/Informationen/Wissen“, insb. deren Schutzaspekte.