„Daten und Information“ – Hintergrund

Unsere Befassung mit der Verwendung des Daten- sowie Informations-Begriff erstreckte sich über mehr als 10 Jahre. Wir haben dabei erfahren, dass bereits die Pioniere der Datenverarbeitung unter Schwierigkeiten litten, hierzu klare Begriffe zu finden. Trotz aller Versuche, im Zuge der rasanten Zunahme der Datenverarbeitung und dem Eintritt in das Informations-Zeitalter verbindliche Definitionen für die Kernbereiche zu formulieren fehlt der Informations-Gesellschaft bis zum heutigen Tage eine Festlegung, was unter Daten sowie unter Information zu verstehen sei.

Dies ist erstaunlich auch deswegen, weil der Daten- als auch der Informations-Begriff inzwischen in die Formulierung und Ausgestaltung von Grundrechten eingedrungen ist.

Definitionen stellen Übereinkünfte dar, was unter einem Begriff verstanden werden soll, und bieten damit eine Abgrenzung zu anderen Begriffsinhalten. Derartige Übereinkünfte beruhen auf Konsens. Jeder inhaltlichen Festlegung einer Begriffsverwendung mangelt es an einer naturwissenschaftlichen Beweisbarkeit, somit sind konsensuale Festlegungen hinsichtlich ihrer Allgemeingültigkeit prinzipiell unbeweisbar.

Definitionen sind nicht beweisbar. Ein Konsens ist kein Beweis.

Es erscheint sinnvoll, eine allgemeine Gültigkeit des Bedeutungsinhalts von gesellschaftlich relevanten Begriffen herbeizuführen. Dies gilt spätestens dann, wenn Rechte formuliert, Grundrechte postuliert werden.

Wir kennen Institutionen, die sich mit der Festlegung von Normen befassen. Eine Definition kann man im erweiterten Sinne als den Versuch einer Normierung verstehen. Daher hatten wir uns zu Beginn unserer Recherche an die DIN-Norm-Gesellschaft gewendet, weil diese eine Definition für Information zunächst zwar vorgeschlagen, dann jedoch wieder zurückgezogen hatte. Als Ergebnis hatten wir erfahren: Normierung ist ein Vorgang, der sich eher mit technischen Sachverhalten auseinandersetzt und damit der Sphäre der Naturwissenschaft zugehörig ist, in welcher eine objektiv gültige Aussage aufgrund von anwendbaren Naturgesetzen erstellt werden kann.

Infolgedessen kann eine allgemeingültige Norm für den Informations-Begriff, als auch den Daten-Begriff aufgrund einer naturgesetzlich nicht führbaren Beweisführung nicht erwartet werden.

Als weitere Instanz, Begriffsinhalte verbindlich festlegen zu können, kämen der Gesetzgeber und Gerichte in Betracht.

Ein Gesetzgeber sollte sich in der Pflicht sehen, bislang undefinierte Begriffe, deren Regelungsumfeld in die Gesetzgebung einbezogen wird, dazu mit einer Definition zu versehen.

Dazu zwei Beispiele:

Erstens: Die EU-Datenschutzgrundverordnung umschreibt in Artikel 4 wie folgt:

Im Sinne dieser Verordnung bezeichnet der Ausdruck:

„personenbezogene Daten“ alle Informationen, die sich auf eine identifizierte oder identifizierbare natürliche Person (im Folgenden „betroffene Person“) beziehen (…)

In der englischen Fassung heißt es:

For the purposes of this Regulation:

‘personal data’ means any information relating to an identified or identifiable natural person (‘data subject’); an identifiable natural person is one who can be  (…)

Fazit: Daten und Information scheinen vom Gesetzgeber weitgehend synonym verwendet zu werden.

Es entsteht ein Regelwerk, dessen Konkretheit nicht mehr ohne weiteres herbeigeführt werden kann.

Zweitens: Unklare Definitions-Ansätze hindern daran, existierende Grundrechte, wie zum Beispiel das „informationelle Selbstbestimmungsrecht“ zur Wirkung bringen zu können.

So wurde zunächst mit einer nachvollziehbaren Begründung das zusätzliche Grundrecht eines „informationellen Sebstbestimmungsrecht[s]“ eingeführt, welches inzwischen jedoch umgangssprachlich zum sogenannten „Datenschutz“ mutierte und neuerdings unwidersprochen von höchster offizieller Seite als weitgehend entbehrliches, ja hinderliches Ansinnen bezeichnet wird. Vielleicht auch deswegen, weil der auf den Menschen bezogene Ansatz des „informationellen Selbstbestimmungsrechts“ über einen eher technisch empfundenen „Datenschutz“ in jene Diffusität übertragen wurde, welche nunmehr in der europäischen Datenschutzgrundverordnung als Gesetzestext auftaucht.

Zur Erinnerung der Wortlaut: „Informationelles Selbstbestimmungsrecht“, daraus die zentrale Stelle der Entscheidung:

„Mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung wären eine Gesellschaftsordnung und eine diese ermöglichende Rechtsordnung nicht vereinbar, in der Bürger nicht mehr wissen können, wer was wann und bei welcher Gelegenheit über sie weiß. Wer unsicher ist, ob abweichende Verhaltensweisen jederzeit notiert und als Information dauerhaft gespeichert, verwendet oder weitergegeben werden, wird versuchen, nicht durch solche Verhaltensweisen aufzufallen. […] Dies würde nicht nur die individuellen Entfaltungschancen des Einzelnen beeinträchtigen, sondern auch das Gemeinwohl, weil Selbstbestimmung eine elementare Funktionsbedingung eines auf Handlungsfähigkeit und Mitwirkungsfähigkeit seiner Bürger begründeten freiheitlichen demokratischen Gemeinwesens ist. Hieraus folgt: Freie Entfaltung der Persönlichkeit setzt unter den modernen Bedingungen der Datenverarbeitung den Schutz des Einzelnen gegen unbegrenzte Erhebung, Speicherung, Verwendung und Weitergabe seiner persönlichen Daten voraus. Dieser Schutz ist daher von dem Grundrecht des Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG umfasst. Das Grundrecht gewährleistet insoweit die Befugnis des Einzelnen, grundsätzlich selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner persönlichen Daten zu bestimmen.“

Mit unseren Definitions-Vorschlägen für Daten und Information haben wir die jeweiligen Bedeutungen voneinander separiert und jenen beiden existierenden Erkenntnis-Sphären zugewiesen, in denen der Mensch sich intellektuell orientiert.

Dies sind die Sphäre der objektiven Beweisbarkeit, also der Naturgesetzlichkeit, welche eine Realität zutreffend zu beschreiben versucht. In dieser Sphäre sehen wir den Anwendung- und Wirkungsbereich von Daten.

Als zweites die Sphäre der emotionalen Orientierung, also der Wertung. Dies ist der Bereich der Information.

Ein Mensch verarbeitet – nach unserer Auffassung – keineswegs Daten, denn er stellt keine Datenverarbeitungsmaschine dar. Allenfalls bewertet er Daten. Er informiert sich.

Eine Maschine hingegen informiert sich nicht, schon weil sie nicht wertet. Hingegen verarbeitet und speichert eine Maschine Daten, und sie tauscht Daten mit anderen Maschinen aus.

Wir haben in unserem Video unter anderem darzustellen versucht, an welcher Stelle es aus welchen Gründen zu einer Vermischung der Begriffsverwendung kommen musste. Um dies jedoch nachvollziehen zu können muss ein Ansatz von zwei Erkenntnis-Sphären verwendet werden, in denen der Mensch agiert.

Beide Sphären wirken auf die individuelle Wahrnehmung, und somit auf Entscheidungsfindungen, sind in ihrer Wirkung jedoch keineswegs vergleichbar. Zudem tendiert der Mensch dazu, Sachverhalte als gesichertes Wissen zu empfinden, die lediglich einer Bewertung unterzogen wurden. Dabei wird er sich seiner durch Bewertung verursachten Subjektivität seines Wissens in vielen Fällen nicht bewusst. Er tauscht damit eine vage begründbare Einschätzung gegen Schnelligkeit, auch um dadurch Handlungsfähigkeit zu erlangen.

Dabei vermischen sich womöglich vorhandene Kenntnisse aufgrund naturwissenschaftlich gesicherten Wissens mit denen des wertenden Dafürhaltens.

Diese Vorgehensweise streifen wir in unserem Video. Die Fähigkeit zur Abgrenzung von Begriffsinhalten wird gesteigert, indem man sich einer definierten Begriffsverwendung bedient.

Die Eindeutigkeit der Begriffsinhalte und ihrer Verwendung ist – trotz gegenteiliger Vermutungen – bisher nicht gegeben. So greift ein uns entgegengehaltene Hinweis auf das Werk: „Informationsmanagement“, Helmut Krcmer, 6. Auflage ins Leere. Richtig ist, dass man hierin zwar Belege diverser Befassungen mit dem Informationsbegriff zusammentrug, aber eben auch hier keine allgemeingültige Definition für Information vorzufinden ist.

Richtigerweise stellt der Autor Helmut Krcmer denn auch zu Beginn des darauf folgenden Kapitels seines Werkes klar: „(…) [Der] Begriff der Information ist (….) Gegenstand unterschiedlicher Definitionsversuche.“

Fazit: Wie in unserem Video dargestellt existiert keine verbindliche oder gar allgemein akzeptierte Definition für das, was unter Information, sowie unter Daten zu verstehen ist.

Unsere Vorschläge:

Daten sind gebunden an

  1. Naturgesetze
  2. Materie (*)
  3. Sie liegen universal in analoger Form vor.

Analoge Daten lassen sich in digitale Daten verwandeln. Digitale Daten lassen sich verarbeiten, transportieren, speichern. Der Daten-Begriff ist demnach dem naturwissenschaftlichen, und damit auch dem technischen Umfeld zugewiesen.

(*) vorsorglich: gilt auch für Licht.

Information

  1. Erfordert wertendes Bewusstsein.
  2. Ist damit auf den Menschen beschränkt.
  3. Ist körperlos.

Die wertende Fähigkeit des bewussten Menschen ist das Kriterium für Information.

Erst wenn die in Frage stehenden Begriffe allgemeinverbindlich konkretisiert und dadurch voneinander abgrenzbar gemacht werden, kann man sinnvoll den nächsten Schritt angehen, deren inzwischen erreichte Anwendungs-Vielfalt rechtlich zu konkretisieren. Dies könnte dem Umgang mit dem „informationellen Selbstbestimmungsrecht“, aber beispielsweise auch der Befassung mit dem „Eigentum an Daten“ dienen.

Autor:
Eckehard Kraska

Kontakt:
Rechtsanwalt Dr. Sebastian Kraska, externer Datenschutzbeauftragter

Telefon: 089-1891 7360
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Stand: 16. Januar 2017