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Beta-Software meiden?

Die von mir geäusserten Bedenken hinsichtlich Chrome werden zunehmend gestützt – auch wenn mancher meint, das herabspielen zu müssen, stösst Heise inzwischen in das gleiche Horn. (Zu dem bestenfalls schlechten Spreeblick-Artikel schreibe ich nicht mehr, jedenfalls nicht jetzt – dass und warum sich ein Vergleich zwischen der FireFox-ID und der Chrome-ID für mich verbietet, lege ich später nach; Jedenfalls wer keine Ahnung hat, möge bitte beides nicht vergleichen bis dahin und sich dann eine Meinung bilden).

Interessant ist aber heute ein Hinweis bei Golem darauf, dass ein BSI-Mitarbeiter vor dem Einsatz von Beta-Software warnt:

„Google Chrome sollte nicht für den allgemeinen Gebrauch eingesetzt werden“, sagte BSI-Sprecher Matthias Gärtner der Berliner Zeitung und hat damit sicher recht: Eine Beta-Software ist in aller Regel nicht für den produktiven Einsatz geeignet.

Hier geht es nicht um Chrome, sondern um Beta-Software insgesamt. Ich habe ebenfalls zuerst mit dem Kopf geschüttelt – muss das aber korrigieren. Ganz falsch ist es nicht.

Wir haben uns heute an Beta-Software gewöhnt: Ständig prangt irgendwo was als „Beta“, man nutzt es ständig – Probleme gibt es so gut wie nie. Beta-Software ist längst Massen-Software.

Schuld daran sind auch Programmierer: Ich selbst habe lange Zeit Programme veröffentlich, die als „Beta“ gekenntzeichnet waren – obwohl sie sauber geschrieben waren. Der Grund war einfach – nur wenn „Beta“ irgendwo steht, rechnen die Menschen noch mit Fehlern, wobei man bei einer Software immer davon ausgehen muss, dass irgendwo noch was hakt. Sonst gäbe es keine Versionsnummer oder Fix-Pakete. Nur um auf Nummer Sicher zu gehen, habe ich daher seit je her meine Skripte als „Beta“ deklariert – es war schlicht bequemer und rechtlich abgesicherter.

Wenn aber nahezu jeder User ein als „Beta“ gekennzeichnetes Produkt vorbehaltlos nutzt, ergeben sich durchaus Probleme: Nutzen soll er es ja, aber eben bitte mit Vorbehalt. Es geht nicht nur darum, dass er sich bei einem (kleinen) fehler nicht beschweren kann, sondern auch dass er damit rechnen muss, dass was schief läuft.

Ich mache hier an dieser Stelle Google keinen Vorwurf, weil die ein Beta-Produkt anbieten. Den Vorwurf würde ich niemandem machen, denn ich möchte immer den mündigen Verbraucher/Nutzer avisieren. Den kann es aber andererseits nur geben, wenn man aufklärt, was „Beta“ heisst und man als Nutzer eine „Beta“ von einer „Alpha“ oder „Final“ zu unterscheiden weiß.

Es gibt gute Gründe, Chrome nicht einzusetzen. Diese Gründe kann man relativieren oder ignorieren – dass es sich um eine Beta handelt ist aber weniger ein Problem. Da gilt es eher, am Nutzer anzusetzen, dem das heute schon egal zu sein scheint.