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Alle Jahre wieder: Datenschutz-Orakel 2009

Einmal jährlich mache ich mir Gedanken über die Zukunft des Datenschutzes und orakle ein wenig. Nicht mit dem ernsthaften Anspruch, die genaue Zukunft vorherzusagen, sondern vielmehr um mit tendenziellen Hinweisen Tipps zu geben.

Eine Entwicklung, die ich inzwischen fest erwarte in den nächsten Jahren ist die Vernetzung und vergesellschaftlichung von Auskunfteien. Klingt Abstrakt, kann aber schnell vereinfacht werden: Ich denke an eine Zukunft, in der ich als Arbeitgeber oder Vermieter nicht mehr einfach einen Auszug des polizeilichen Führungszeugnisses verlange oder einen Schufa-Auszug. Vielmehr gibt es eine „Meta-Auskunftei“, die auf Grund von Schufa-Daten und weiteren Quellen ein Profil erstellt. Dabei denke ich z.B. gezielt an ebay: Die Bewertungen hier sind, was das alltägliche Zahl- und Verkaufsverhalten angeht, sehr viel direkter und für den Alltag sicherlich höchst nützlich. Gleichsam ist es sicherlich interessant und als Referenz interessant, wen man bei XING & Co. als direkten Kontakt angelegt hat. Die jetzigen „Personen-Suchmaschinen“ sind da bestenfalls ein Anfang, ich könnte mir vorstellen, dass die in einem Premium-Dienst anbieten, Profile von Menschen anzulegen, wobei dann eben auch etablierte Datenbanken wie die Schufa abgefragt werden.

Inwiefern Portale wie Spickmich.de (und spätere Portale für Anwälte, Ärzte etc.) hiervon betroffen sind, mag ich mir noch nicht ausmahlen: Jedenfalls liegt in diesem Bereich ein interessanter geldwerter Vorteil, wenn man die Bewertungen einzelner Personen/Unternehmen verkauft.

Meine Zweite Vermutung betrifft den Datenschutz insgesamt: Für mich hat „der Datenschutz“ in Deutschland zur Zeit vor der Praxis kapituliert. Gründe gibt es viele, das Versagen hier ist vielschichtig und nicht einzelnen vorzuwerfen: Politik, Rechtsprechung, jeder einzelne Betroffene, gar die Datenschützer selber – wir haben alle Fehler gemacht und machen sie weiterhin. Sicherlich der eine mehr, der andere weniger, aber letztlich darf sich keiner freisprechen.

Angesichts dieser enormen Kapitulation, die den Alltag bestimmt, glaube ich schon lange nicht mehr, dass „der Datenschutz“ durch einen großen Kraftakt plötzlich effektiv und ernsthaft Teil der Gesellschaft und unseres Alltags wird. Vielmehr gehe ich davon aus, dass Datenschutz über einen Randbereich Bedeutung gewinnen und die Gesellschaft beeinflussen wird: Das Arbeitnehmer-Datenschutzrecht. Hier kann der Staat Neuland betreten, konsequente und schlüssige Regelungen schaffen und dafür Sorgen, dass der Datenschutz Teil des Alltags der arbeitenden Bevölkerung wird. So wird dann auch, wenn der Gesetzgeber es schafft das Thema mal anzugehen, der Schwerpunkt des Datenschutzrechts in Zukunft erstmal im Bereich Arbeitnehmerdatenschutz sein.

Was mir Sorgen macht, ist das ignorante Unwissen, mit dem zunehmend Datenschutz betrieben und propagiert wird. Ohne den Streit hier vertiefen zu wollen (weil die Fronten klar sind), denke ich dabei z.B. an die Frage, ob IP-Adressen nun personenbezogen sind oder nicht. Immer noch erklären (gute!) Juristen, dass Web-Statistik-Tools ohne eine Übermittlung der IP an den Anbieter der Analyse-Lösung (etwa Google Analytics) gar nicht möglich ist und somit schlicht der gesamte Internet-Alltag kriminalisiert wird.

Meine schon 2002 (!) vorgeschlagene Lösung, endlich mittels XML/SOAP-Lösungen Analyse-Dienste umzusetzen, die gleich beide Vorteile bietet:

  1. Umfassender Datenschutz entsprechend TMG und BDSG, da der Webseitenbetreiber selber entscheidet was er übermittelt und was nicht,
  2. Genaue Erfassung der Besucher, da man diese Lösung eben nicht blocken kann und sie auch nicht die typischen Ungenauigkeiten eines von einem Dritt-Server aufgerufenen JS bietet,

wird bis heute ignoriert. Ich habe mich lange darüber gewundert, bis mir in Diskussionen klar wurde warum: Viele, die über das Thema reden, haben nicht das technische Verständnis zu begreifen, wie eine XML/SOAP-Lösung aussieht und wie das bei einem Web-Analyse Dienst funktionieren würde.

Man merkt hier, wie die Unkenntnis von technischen Lösungen dazu führt, dass die wohl schlechteste Lösung dann als angeblich einzige Möglichkeit propagiert wird. Es hilft nichts: Technisches Hintergrundwissen ist zwingender Bestandteil wenn man über Datenschutz-Lösungen und Probleme im Internet sprechen möchte. Dass ich nicht orakle, dass hier in der Zukunft eine stärkere Ausbildung betrieben wird, sollte Aussage genug sein. Wie schon Anfangs gesagt: Der Datenschutz hat vor der Praxis kapituliert.

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