Heute habe ich folgende Email an “datenschutz@saturn.de” geschrieben:
Sehr geehrte Damen & Herren,
Ich war kürzlich in einer Saturn-Filiale, dort begrüsste mich am Eingang ein grosses Schild mit der Aufschrift (sinngemäß): “Fotos in dieser Filiale sind verboten”.
Zeitgleich aber musste ich feststellen, dass jeder meiner Schritte in der Filiale von Kameras beobachtet wurde. Dabei wurde mir nichtmal mitgeteilt, ob nur beobachtet wird oder sogar aufgezeichnet. Und wenn letzterer Fall: Wie lange aufgezeichnet wird.
Finden Sie nicht, dass sich hier eine Schieflage ergibt zwischen der Art, wie ich als Konsument behandelt werde, und dem was sie sich als Filiale erlauben? Ich empfinde das schon sehr unfair und freue mich über eine kurze Stellungnahme.
Mit freundlichen Grüßen
Ferner
Ich erwarte eine Antwort darauf und werde hier berichten.
Update vom 27.7.08: Gar nicht überraschend habe ich leider keine Antwort erhalten. Nichtmal eine Bestätigungsmail, dass ich überhaupt etwas geschrieben habe. Ich habe heute einfach die Mail nochmals hingeschickt – jedenfalls werde ich nicht aufhören, bis ich irgendwas von dort bekomme, denn ich bin neugierig, was man überhaupt antworten wird. Eine nicht Kritik-fähige Antwort kann ich mir bei der unfairen Fragestellung jedenfalls momentan gar nicht vorstellen.


Juli 27th, 2008 at 12:13 pm
Hallo,
wäre eine derartige Fragestellungen an einen Grundstückseigentümer stellbar, der seine Hauswand mit Kameras (ohne Schild oder Information) bepflastert und damit öffentliche Bereiche (Fußweg zum Spazieren) mit erfasst?
Juli 27th, 2008 at 12:36 pm
Wer sowas tut, dem sollte man so oder so Fragen stellen
Es ist aber nicht vergleichbar – in dem geschilderten Fall frage ich mich schon, ob das überhaupt rechtlich OK ist – beim Verhalten von Saturn finde ich rechtlich keinen Knackpunkt, wohl aber einen Widerspruch im Verhalten insgesamt.
Juli 27th, 2008 at 12:49 pm
Ich denke ich verstehe: “Bitte keine Fotos – aber dich behalten wir dennoch im Auge”.
Man mag ja zum Einen es für sinnig halten, dass man seine angebotenen Waren vor Leuten mit längeren Fingern schützen möchte. Es würde aber schon ausreichen, wenn auch nur die Waren beobachtet wird.
Vor allem, da stimme ich zu, ist eine Information seitens des “Überwachers” von Nöten, ob aufgezeichnet oder beobachtet oder beides wird.
Ebenso bei der Schwester von Saturn, dem Markt für Mädchen, frage ich mich, wieso ich hin und wieder zur Erhebung von statistischen Daten nach meiner PLZ gefragt werde – vielleicht um mitzuhelfen beim Aufbau eines geeigneten Standortes für eine neue Filiale. Da ich zu 99% eh bar bezahle bekommen die Kassierer zu 99% von mir auch falsche PLZs. Oder ist das verkehrt?
Juli 27th, 2008 at 1:08 pm
Der Witz ist nur, dass jedes Argument mit dem Saturn den Spruch “Bitte keine Fotos” verteidigt, zugleich ein Argument gegen die eigenen Kameras ist
Juli 27th, 2008 at 3:47 pm
Der Unterschie besteht darin, dass sie meinen, dass ihre eigenen Kameras davon nicht betroffen sind – aber im Prinzip (vorausgesetzt sie speichern die Bilder über einen Zeitraum X) selbst ihre eigene Regel im Aushang missachten. Paradox, sag ich dazu nur.
Juli 27th, 2008 at 5:01 pm
Das “Bitte keine Fotos” könnte z.B. zweierlei Sorgen bedienen: 1. Man will nicht, dass jemand von der Konkurrenz leicht aufzeichnen kann, welches Warenangebot mit welchen Preisen der Saturn hat. 2. Man möchte nicht, dass fliegende Internethändler Fotos für die Webseite aufnehmen können, ohne alle Packungen aufreissen zu müssen.
Beide Argumente können andersrum gegen den Saturn nicht gemacht werden.
Juli 27th, 2008 at 5:22 pm
Ich denke, die Hauptsorge ist das Festhalten von Verstössen gegen das UWG – analog zu Verstößen des Kunden, etwa wenn er stiehlt oder – als Bagatelle – Abfall auf den Boden wirft.
Zu deinen Beispielen ad 1)
Ich möchte nicht, dass man analysiert, welche Wege ich als Kunde typischerweise gehe und welche Produkte ich besonders beobachte.
ad 2)
Wäre für mich weit hergeholt, da ich Packungsfotos auch im Internet bekomme
Es geht natürlich nicht darum, dass ich die Argumente von Saturn *exakt* auf mich anwende, sondern dass ich Analogien herstelle. Fakt ist: Gleich welches Argument man bringt: Es wird ein Argument gegen Überwachung sein und eine Analogie zu finden wird immer möglich sein.
Juli 27th, 2008 at 9:26 pm
Andersrum betrachtet: Welche “Konkurrenz” soll sich die Preise bei Saturn besorgen? Erstens gibt es Werbebeilagen und zweitens, bitte korrigiert mich wenn ich falsch liege (was gut und gern möglich sein kann), ist doch die einzige große Konkurrenz der Mädchenmarkt, und sind die nicht Geschwister – sprich Metro-Gruppe?
Es ist jedenfalls nicht sonderlich ersichtlich und rückschließbar, wieso also Bildchen knippsen verboten sein soll (außer das Hausrecht!?)
Wie von Hr. Ferner bereits gesagt geht es um Analogien – und diese sind nicht einmal an dieser Stelle fehl am Platze.
Juli 27th, 2008 at 9:39 pm
Wo kommt eigentlich dieses “Mädchenmarkt” her – ist das ein aktueller Slang? Ich habe das bisher noch nie gehört?
Juli 27th, 2008 at 9:47 pm
Oh sorry
das ist noch ein Überbleibsel aus der Studienzeit. Informatik – intelligente Systeme gegen Informatik – Digitale Medien, welche zu digitalen Mädchen wurden … irgendwie ist das bei mir hängengeblieben und hat sich bei mir im Sprachgebrauch als Mädchenmarkt ins Hirn genistet.
Juli 28th, 2008 at 9:14 am
Der Hauptgrund dürfte doch wohl der Schutz vor beweisbaren UWG-Verstößen sein. Und gerade die MediaMarkt-Saturn-Gruppe ist ja mit ihren Sonderaktionen doch recht häufig betroffen.
Da ein solcher Prozess recht teuer werden kann, will man natürlich vorbeugen.
Juli 28th, 2008 at 9:43 am
[...] einem Kommentar wurde die Frage aufgeworfen, wie man am besten reagiert, wenn man nach der eigenen PLZ beim Einkauf [...]
Juli 29th, 2008 at 11:58 am
[...] meine Mail an den Saturn gab es nun eine Antwort, leider für mich erstmal wenig gewinnbringend, da auf meine eigentliche [...]
September 2nd, 2010 at 11:10 am
[...] nicht fotografieren dürfe. Auch andere Geschäfte verbieten das Fotografieren hin und wieder, was natürlich hinsichtlich der von diesen gerne vorgenommenen Rundumüberwachung der Kunden durchau…. Diese Betrachtung hat mit der juristischen Frage des “dürfens” aber nichts zu tun [...]