Google und Datenschutz

Auf dieser Seite geht es um das Thema “Google und Datenschutz”. Gefragt ist keine Verteufelung, sondern möglichst viele Informationen als Basis einer ausgereiften Diskussion.

Einleitung

Google bietet eine Vielzahl von Diensten an, die für User großteils kostenlos sind. Die Gesamtheit der Dienste (siehe nur die Auswahl unten) ermöglicht dabei ein Vollständiges Profil der jeweiligen Nutzer. Es ist zu beachten, dass Google (mit einer Ausnahme) nicht gezwungenermaßen genutzt werden muss. Die Diskussion um Google ist daher großteils erstmal eine Frage der Aufklärung und eine gesellschaftspolitische Diskussion. Dabei fällt es schon störend auf, dass Google eine absolute Privatheit verneint, was aber auch nachvollziehbar ist, da Google von den erfassten Daten lebt.

Der User muss sich nur fragen, warum so viele Dienste, die den Betreiber viel Geld kosten, kostenlos angeboten werden können. Im Ergebnis muss festgestellt werden, dass sicherlich über Werbung Einnahmen generiert werden, aber eben bei der Schaltung von Werbung die gelieferten Nutzer-Daten ein wesentliches Potential sind. Insgesamt sind die erhobenen Daten das Kapital von Google und wenn der User “kostenlos” diese Dienste nutzt, heißt das nur, dass er kein Entgelt zahlt – aber, in Form seiner Daten, eben eine Gegenleistung bringt.

Kritik

Google hat eine faktische Monopolstellung bei der Websuche: Einerseits nutzt “jeder” Google zum Suchen nach Inhalten, andererseits wird vielfach angemerkt, dass Google eben auch die brauchbarsten Ergebnisse liefert. Ob das stimmt mag dahin stehen, was zählt ist die Realität und die sieht Google bei einem Marktanteil von ca. 80%. Wer eine solche Monopolstellung hat, muss aber auch Pflichten erfüllen:

  1. Webseiten die bei Google nicht oder schlecht gelistet werden, werden faktisch nicht gefunden. Google muss daher bei der Listung von Ergebnissen transparent sein und darf nicht willkürlich entscheiden.
  2. Da faktisch “jeder” die Google-Suche nutzt, hat Google sehr weite Möglichkeiten die Internetnutzer statistisch zu erfassen. Die Möglichkeiten zur “Vermessung” von Benutzern müssen daher eingeschränkt sein, da Google immerhin faktischen Zugriff auf sämtlicher Nutzer des Internet hat.
  3. Google wächst stetig und das nicht nur im Internet: Selbst wer Google nicht nutzt, wird auf Webseiten von Dritten via Google-Analytics erfasst, oder auf der Strasse via Streetview fotografiert. Google wächst immer weiter und dringt in immer neue Bereiche vor, zerrt uns alle quasi in das Internet, auch ohne uns zu fragen. Nicht nur, aber auch, mit Blick auf die Möglichkeiten der Zusammenführung von Daten muss hier eine Grenze gesetzt werden.
  4. Der Gesetzgeber verschläft seit Jahren den Trend “Internet” und auch “Google”: Das BDSG ist überaltert und stammt aus einer Zeit, in der weder Internet noch Google Themen waren. Google arbeitet vielerseits in Grauzonen oder nicht geregelten Zonen und zeigt bis heute die Tendenz, nicht freiwillig zurück zu stecken.

Streitpunkt: Streetview

Google fährt mit “Streetview” auch in Deutschland durch Städte und Dörfer und fotografiert alles in einer 360 Grad Rundumsicht, um dies dann später in das Internet zu stellen. Jeder kann dann problemlos die Fotos durchsehen und sich in Städten umsehen.

Die Idee ist nett und nicht zu kritisieren – die Umsetzung beinhaltet aber auch Risiken: Die Art wie wir leben, unsere Vorgärten, ja gar der Blick in unseren befriedeten Garten (via Google-Earth) wird in das Internet eingestellt. Jeder kann, weltweit, quasi vor unsere Haustüre treten, sich ansehen wie wir nach außen hin leben und wie sich nach außen hin unser Lebensstandard gibt. Wir werden nicht gefragt, können uns nicht wehren.

Die Gefahren liegen dabei an verschiedenen Stellen: Natürlich einerseits im Bereich der Vorurteile (“Guck mal wie es bei dem aussieht…”), aber auch im Bereich Sicherheit, immerhin wird es nun problemlos für Einbrecher möglich, ganze Strassenzüge auszukundschaften, ohne selbst vor Ort zu sein. Zusammen mit Google-Earth eröffnet sich eine Möglichkeit der Situationsanalyse, von der Kriminelle noch vor wenigen Jahren nur träumen konnten.

Streitpunkt: Google Analytics

Das Problem bei Google-Analytics (GA) ist die Tatsache, dass ein Webmaster hier nicht alleine handelt: Wer es auf seiner Seite einbaut, übermittelt die Daten seiner Besucher an Google – ohne diese vorher zu fragen. Auch wenn man Google versucht zu meiden und nur auf anderen Seiten unterwegs ist, kann es also durchaus sein, dass man erfasst wird. Zwar kann man sich hier halbwegs schützen, doch ist es nicht Aufgabe der Betroffenen, sich gegen Eingriffe zu schützen – vielmehr ist man vorher zu fragen.

Insgesamt ist festzustellen, dass GA – nicht zuletzt wegen der Einfachheit der Bedienung, der überzeugenden Leistungsfähigkeit und weil es kostenlos zu nutzen ist – eine enorme Verbreitung genießt, teilweise sogar bei staatlichen Webseiten. Damit wird es Google, zumindest in der Theorie, möglich das Besuchsverhalten der Internetnutzer umfassend zu kartographieren.

Was weiß Google (theoretisch) über dich?

Google bietet inzwischen viele Dienste – diese Aufstellung soll zeigen, was Google alles wissen könnte, wenn man alle Dienste nutzt. Es ist eine theoretische Auflistung, die einfach zum Nachdenken anregen soll, dabei muss daran gedacht werden, dass gerade wenn man einen Google-Account hat und eingeloggt ist, viele scheinbar harmlose Informationen (wie z.B. angeklicke Werbeanzeigen) zusammengeführt werden könnten.

  • Adwords: Wenn Du wirbst, können sie deinen Marketing Plan herausarbeiten und deine Suchwörter sehen.
  • Adsense: Als Werber kennen Sie deine Kontodaten, aber auch welche Seiten von Dir wie werbeträchtig sind. Wenn Du die Werbung siehst und anklickst, weiß man was dich interessiert.
  • Alerts: Sie wissen welche Themen für Dich wichtig sind .
  • Analytics: Als Webmaster wissen Sie über Dich, welche Seiten und welche Besucher du hast, erkennen Trends und Reichweiten. Besucher von Webseiten dagegen können Analysiert werden, wobei die Daten mit den Werbedaten zusammengeführt werden können.
  • Android: Google bietet eine eigene Software für Handys und sogar ein eigenes Handy. Damit wird es Teil des Alltags und bietet direkten Zugriff auf Funktionen wie latitude, um zu sehen, wo genau die Benutzer gerade unterwegs sind.
  • Blogger: Wenn Du via Google blogs wissen sie was du schreibst. Auch können Sie Daten über deine Besucher herauslesen.
  • Books: Sie sehen, welche Bücher du suchst und anklickst – und natürlich, welche Du in deiner virtuellen Bibliothek hast.
  • Kalender: Du offenbarst deine Termine.
  • Product Search: Sie wissen, welche Produkte dich interessieren.
  • Checkout: Sie kennen Deine kompletten persönlichen Daten
  • Chrome: Sie könnten dein gesamtes Surfverhalten analysieren.
  • Desktop Search: Sie kennen die Indizes der Dateien auf dem Rechner.
  • Text und Tabellen: Du offenbarst woran du arbeitest
  • Earth: Sie haben die Welt vollständig erfasst – und können sehen, was dich dort besonders interessiert wenn du etwas suchst. Aber es wird eben auch ermöglicht – wenn auch bei schlechter Auflösung – in fremde Gärten zu sehen, selbst wenn diese rundherum befriedet sind. Der Rückzugsraum “Garten” als Teil des Privatgrundstücks existiert bald nicht mehr.
  • FeedBurner: Leser von Feedburner-Feeds werden statistisch erfasst
  • Flutrends: Anwendungsbeispiel – Aufgrund der gesammelten Daten kann Google die nächste Grippewelle vorhersagen.
  • Googlemail: Sie kennen Deine Mails.
  • Groups: Du offenbarst deine Meinungen und Neigungen für/in bestimmten Gruppen.
  • Bildersuche: Es wird erfasst, welche Bilder dich interessieren  – was Rückschlüsse auf Neigungen ermöglicht.
  • Latitude: Sie wissen, wo du dich gerade befindest.
  • Maps: Jedenfalls die Orte, die dich interessieren und die Routen die du planst sind hier nachvollziehbar – speziell die Kombination mit dem Kalender macht die Routen zu einem interessanten Werkzeug für Rückschlüsse.
  • Reader: Du offenbarst, welche Blogs dich interessieren.
  • Talk: Soziale Kontakte werden nachvollziehbar, ebenfalls natürlich mit bei Googlemail gespeicherten Kontakten
  • Toolbar: Die Toolbar ermöglicht browserübergreifend nachzuvollziehen, welche Webseiten besucht werden
  • Translate: Auch Übersetzungen lassen Rückschlüsse zu
  • Websuche:
  • YouTube: Youtube ist ein Google-Dienst und gerade hier lässt sich nachvollziehen, welche Videos einen interessieren. Die Kommentare lassen konkrete Rückschlüsse auf Neigungen und Wertungen zu.