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Google-Chrome – die Intention liegt auf der Hand

Google hat seinen schon lange vermuteten Browser „Chrome“ veröffentlicht – und die Resonanz ist enorm. Irgendwo zwischen Euphorie der Fans und „war doch klar“ der Kritiker lassen sich die Postings einordnen. Hier ein paar Hinweise dazu.

Dazu auch: Google Chrome ist (k)ein Open-Source-Projekt

Vorab: Natürlich habe ich mir Chrome gezogen und installiert. Wie könnte ich denn über etwas schreiben, dass mir nicht mal vorliegt. Ich habe es sogar – scheinbar anders als die vielen anderen – erstmal ein paar Stunden im Alltagstest genutzt bevor ich jetzt was dazu schreibe.

Das Design ist in der Tat schlicht, der Browser sehr schnell. Insofern liegt der Spiegel schon richtig, aber das hier ist doch überzogen:

Geradezu verblüffend schnell läuft der Seitenaufbau; hier kommt tatsächlich kein Rivale mit.

Das tut schmerzlich weh und würde Grund genug sein, wieder einen dieser „Spiegel & Co haben keine Ahnung vom Internet“-Artikel vom Stapel zu lassen. Ich spare es mir hier und weise auf ein paar Fakten hin:

  1. Hinter Chrome steht augenscheinlich die Technik, die auch hinter dem Safari steht (Webkit). Wer den Safari nutzt, der erkennt mit dem bloßen Auge daher auch keinen Geschwindigkeitsvorteil – und auch keinen großen Unterschied im „schlichten“ Design. Chrome sieht für mich aus wie die blaue Safari Variante.
  2. Wem der Seitenaufbau im Opera oder Firefox zu langsam ist, der sollte die Optionen, die für das vollständige Laden der Seite vor dem Anzeigen zuständig sind, deaktivieren. Man hat dann dort den gleichen Effekt.

Ich nehme den nächsten Aufhänger wieder aus dem SPON-Artikel:

Chrome wirkt auf den ersten Blick äußerst schmucklos, geradezu minimalistisch. Das ist genau das, was man von Google erwartet.

Tut mir leid – bei Google erwarte ich (deswegen ja auch dieses Blog) erstmal nur eine Frage: Wie sieht das mit den Daten aus? Und wenn man dann in Googles Privacy-Policy zum Chrome blickt (hier auf Deutsch), liest man interessantes, so unter anderem:

  1. Eingegebene Adressdaten landen automatisch bei Google – zumindest für die Suggest-Funktion
  2. Gleiches gilt für aufgerufene nicht-existierende URLs
  3. Die vorhandene Chrome-Installation hat eine eindeutige Seriennummer, so dass sie individualisiert werden kann

Dies nur als Auszug. Jeder muss entscheiden, ob ihm das schmeckt – ich mag es naturgemäß nicht. Beispiel: Sobald ich mich einmal mit einem Google-Account einlogge, wird dann meine Chrome-ID zugeordnet, so dass später jeder Zugriff mit Chrome mir als Nutzer zugeordnet werden kann – auch wenn ich nicht eingeloggt bin und keine Cookies habe? Technisch möglich ist es jedenfalls.

Die Sache mit den Domains ist zwar praktisch und der Missbrauch scheinbar nicht möglich: Hier muss man einfach weiter in die Zukunft denken. Wie sieht es denn aus, wenn ein User regelmäßig unter verschiedenen Domains die ihm vorgeschlagen werden eine bestimmte Richtung wählt? Wer etwa immer „spieg“ eintippt und zwischen spiegel.de und spiegelfechter.de auswählen kann – und dann regelmäßig die gleiche Wahl trifft, lassen sich hier nicht Vorlieben eines Users erkennen und zuordnen?

Und, ebenfalls interessant: Wenn Google diese eindeutige ID auslesen kann, kann es dann nicht auch jede andere Webseite? Bietet sich hier erneut eine Möglichkeit an, Rückschlüsse auf User zu ziehen – Analog zur Speicherung von Kamera-Seriennummern in EXIF-Informationen von Fotos, wie heute schon regelmäßig vorgenommen?

Dies sind, angesichts der zukünftigen Frage, wie sich die Google-Dienste mittels Chrome weiter verbreiten, nur kleine Fragen und ebenfalls großteils Zukunftsmusik. Speziell wenn man sich ansieht, wie viel Energie Google ind ie Beschleunigung und Absicherung von Javascript im Chrome gesteckt hat, liegt es auf der Hand worum es hier geht: Javascript-basierte Dienste (zufällig sind das viele, vor allem die Office Anwendungen von Google) sollen sich besser umsetzen lassen. Das schlichte Design ist nichts anderes als eine geringere Barriere bei der Integration der Google-Dienste in den Desktop.

Für mich verbleibt die Frage, warum ich diesen Browser nutzen sollte: Schneller als Safari ist er nicht, der Unterschied zu einem ordentlich konfigurierten FF/Opera bei mir nur marginal. Also warum nutzen und Google schon wieder kostenlos unterstützen? Hier ist (Unique-ID die ausgelesen werden kann zusammen mit dem Blick in die Googlisierte Welt) auch meine Hauptkritik – die Punkte wie Suggest & Co. mögen noch dazu kommen, aber jedenfalls jetzt kann man sie ja deaktivieren.

In diese Richtung geht auch der Artikel bei der Sueddeutschen, der offen vor einer Monopolisierung warnt. Zwar gibt es ein faktisches Google-Monopol bei der Suche, doch noch verbleiben Resträume. FireFox und Linux bieten Alternativen, was einzig fehlt ist eine freie Suchmaschine – vielleicht kommt die auch eines Tages. Bis dahin verbleibt ein Zitat von der SZ, das man sich merken sollte:

Es ist freilich viel einfacher, die Frische von Eiern als die Qualität von Suchergebnissen und Datenprofilen zu überprüfen […] Wer ins Netz geht, muss aufpassen nicht Beute zu werden.

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